Sonntagsfrühstück, 1.November

Einen wunderschönen guten Morgen!

Ein Klassentreffen, nach so vielen Jahren!! Für viele ist es wie eine Reise in die Vergangenheit – für viele auch keine schöne Erinnerung, doch ich habe mich letzten Freitag riesig auf unser Klassentreffen gefreut. Bei einigen stößt ein Treffen nach dem Schulabschluss erstmal auf Ablehnung, doch dann stellen sie fest, dass es ein schöner Abend war. Man hat eine sehr prägende Zeit miteinander verbracht, es wurden Freundschaften geschlossen und wieder beendet, man verbrachte viele Stunden miteinander, nicht nur während des Unterrichts – nein, besonders nach der Schule. Wir haben unsere Jugend geteilt, Sturm und Drangzeiten durchlebt und jetzt liegt es Jahrzehnte hinter uns. Ein Klassentreffen ist mehr als nur ein einfaches Wiedersehen – man reist in die Vergangenheit und sieht alte Freunde/Freundinnen mit denen man Heute im Alltag keinen Kontakt mehr hat. Vor allem dann, wenn das alte vom neuen Zuhause gut 40 km entfernt, keine Familienangehörigen mehr dort leben und es keinen Grund mehr gibt seinen Geburtsort zu besuchen. Leider sind schon viele Schulfreunde verstorben, schwer krank um am Klassentreffen teilzunehmen, sind ausgewandert oder haben einfach keine Lust auf alte Zeiten.

 

Es war bereits das vierte Treffen und am Freitag musste ich feststellen, dass wir alle sehr viel Älter geworden sind, aber gefeiert wurde trotzdem bis Mitternacht, was wir schon immer sehr gut konnten. Endlich trifft man sich wieder, die schwatzhafte Banknachbarin, den witzigen Sitzenbleiber, den Pausenclown und die hübsche Mathematik-Niete. Was ist aus ihnen geworden – aus uns? Falten statt Pickel, Glatze statt Locken, doch einen Rollator braucht noch keiner. Bei den ersten Klassentreffen wird noch über die berufliche Karriere – mein Haus, mein Boot oder meine Yacht diskutiert, am Freitag waren es dann auf lustige Weise das eine oder andere Zipperlein, die Rente, die letzte Operation oder Enkelkinder. Ja, es hat sich vieles verändert!

Gleich bei der Ankunft ist es da, das Wir-Gefühl, das es damals mit vielen gab. Bei einer Mitschülerin erinnere ich mich an das Grübchen, bei der anderen an ihre markante Lache oder eine andere hat heute noch die gleiche Frisur wie früher. Auch an der Stimme erkenne ich viele wieder, doch haben sich einige sehr verändert und die Frage, wer bist du denn, darf dir nicht peinlich sein. Doch es ist schon peinlich, wenn man alte Schulkameraden/innen nicht mehr erkennt, wo alle meinten, ich hätte mich nicht verändert. Klassentreffen, riecht immer ein wenig abgestaubt, ein bisschen schwarz-weiß müffelnd. Warum soll man sich mit Menschen treffen, mit denen man Jahrzehnte keinen Kontakt mehr hatte oder sich sogar während der Schulzeit nie riechen konnte. Ganz einfach, weil es unheimlich spannend ist. Wer ist er mit der Glatze oder ob sie heute Abend ihr Strickzeug auspackt, genauso wie früher auch? Die meisten klagen über Schlafstörungen und vor allem, dass sie nicht mehr soviel trinken können. „Weißt du noch, damals waren wir nach einer Feier topfit und jetzt brauche ich drei Tage Erholung, wenn ich einen über den Durst trinke. Wenn man dann auf seinen alten Schulschwarm wartet und fragt, ob er zugesagt hat, dann die Antwort bekommt, dass er im Sommer verstorben ist, wird dir bewusst wie Alt man bereits ist. Und natürlich werden an so einem Abend wunderbare Geschichten erzählt. Viel, sehr viel und oft gefragt „ach, weißt du noch“? Darum geht es aber auch, sich einen Abend lang über alte Zeiten schieflachen, ein wenig lästern und an früher erinnern. Das sollte man sich einfach nicht entgehen lassen.

Zu später Stunde unterhalten sich dann am Nebentisch zwei Schulfreunde über Gott und die Welt. Später höre ich wie einer sagt: „Wir Jungs haben uns ja ganz gut erhalten. Aber die Mädchen sind sehr alt geworden, findest du nicht auch?“ Also bitte….. !!!!! 🙂

Wünsche euch einen schönen Sonntag!